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09.06.2012 07:34

Flugplatz gesperrt - Piloten mussten ausweichen

8.6.2012 - Das bislang heftigste Unwetter des Jahres forderte den Piloten einiges ab. Hagelschäden wurden nur außerhalb des Einsatzgebietes gemeldet.


Bereits am Morgen erreichte uns die Warnung des Flugwetterdienstes, dass ab 16:30 mit Gewittern zu rechnen ist und ab etwa 19:00 eine hagelträchtige Kaltfront mit schweren Unwettern über das Einsatzgebiet ziehen wird. Für die Piloten galt es, sich auf einen herausfordernden Einsatz vorzubereiten. Besonders bei den abends eintreffenden Frontengewittern müssen sie damit rechnen, dass eine sichere Landung bei Tageslicht am Heimatflugplatz Krems-Langenlois aufgrund der Wetterverhältnisse nicht mehr möglich ist.

Die volle Einsatzbereitschaft war um 16:00 hergestellt, wobei der seltene Fall einer massiven Überbesetzung bei den Besatzungen eingetreten ist. Dies ermöglichte es, alle unserer drei Flugzeuge mit je einem erfahrenen Piloten und einem Auszubildenden zu besetzen, und auch noch Piloten am Boden lassen zu müssen. Tatkräftige Unterstützung erhielten wir von unserem deutschen Kollegen Paul Musso, der mit seiner Cessna 180 im Raum Karlruhe mit dem Hagelflug beginnen möchte. Er verbrachte das lange Wochenende bei uns, um sich in Verfahren der Hagelabwehr einweisen zu lassen. Somit konnten wir erstmals in der Geschichte der Hagelabwehr mit vier vollbesetzen Einsatzflugzeugen operieren.

Um 18:45 meldete sich der Flugwetterdienst Schwechat bei uns. Wir wurden vor zu erwartenden Windgeschwindigkeiten von 55 Knoten (etwa 100 km/h) gewarnt und über die große Hagelgefahr informiert. In Oberösterreich wären in vielen Gebieten Hagelkörner mit mehr als 2cm Durchmesser beobachtet worden. Die sich aus Westen annähernde Kaltfront hatte mittlerweile den Raum Amstetten erreicht und stand unter intensiver Beobachtung, sowohl visuell als auch mit unserem Wetterradar. Ebenso erreichte uns der Anruf eines bekannten Kremser Stadtrates, der uns auf die drohende Gewittergefahr hinwies indem er uns besorgt mitteilte, dass sein Hund bereits äußerst nervös sei…

Die sich rasch annähernde Front war mittlerweile nahe genug ans Einsatzgebiet herangekommen, sodass der einzuweisende Kollege gemeinsam mit Einsatzleiter Richard Bandion sozusagen als Aufklärungsflug um 19:07 Richtung Gewitter startete. Während des Abhebens erreichten uns Meldungen über tennisballgroßen Hagel im Bezirk Melk. Bereits beim Passieren der Stadt Krems offenbarte sich der Blick auf zwei Frontlinien hinter dem Jauerling mit heftiger Gewittertätigkeit und es war klar: Alle Maschinen mussten schnellstmöglich in die Luft.

Zu viert wurde also der Hagel, vom westlichen Ende der Wachau beginnend, bekämpft. Die Piloten brachten im Aufwindbereich vor der Front Silberjodid aus und bewegten sich mit dem Gewitter Richtung Osten. Deutlich wahrnehmbar war für die Piloten die Treffsicherheit der Wettervorhersage - Zu diesem Zeitpunkt zweifelte niemand mehr an den vorhergesagten Windgeschwindigkeiten. In den Flugzeugen war es gegen 19:30 bereits dunkel, gelegentlich sah man draußen die Scheinwerfer eines vorbeifliegenden, ebenfalls gebeutelten, Kollegen.

Nach 45 Minuten Einsatz entschlossen sich zwei Piloten zur Landung, solange diese in Krems noch möglich schien. Im Queranflug wurde ihnen die aktuelle Wetterlage am Boden mitgeteilt: Wind variabel zwischen 180° und 340° mit Windspitzen von 70 km/h, starker Sichtrückgang. Die Entscheidung zur Landung kam zu spät und die Böenwalze passierte soeben den Flugplatz. Beiden Piloten brachen ohne tatsächlichen Landeversuch den Anflug ab und machten sich auf den Weg in Richtung des geplanten Ausweichflugplatzes Stockerau. Minuten später folgten auch die verbliebenen beiden Hagelflugzeuge.

Drei der vier Flugzeuge befanden sich bereits im Anflug auf Stockerau als aus Krems die Meldung eintraf, dass die Front den Flugplatz passiert hatte und eine Landung wieder möglich sei. Beim Heimflug unter der Front durch bot sich ein beeindruckendes Szenario aus Blitzen, vorbeiziehenden tiefhängenden Wolken, Starkregen und Sturm. Unten auf der S5 sah man die Autos am Pannenstreifen stehen. Nach kurzer Zeit änderten die schwarzen Wolken Ihre Farbe in ein blasses Gelb und man konnte die diffusen Umrisse der untergehenden Abendsonne erahnen. Die Landung in Krems erfolgte bei Sonnenschein am Horizont. Der Blick auf den Boden verhieß den Piloten aber nichts Gutes: Felder standen vollflächig unter Wasser, Sturzbäche rannen auf den Feldwegen die Hügel hinunter, die ersten Blaulichter der Feuerwehr blitzten auf den Straßen. Noch am Funk kam die Info, dass aus dem Einsatzgebiet bislang keine Hagelmeldungen eingetroffen sind.

Um 20:30 waren drei der vier Flugzeuge sicher in Krems gelandet. Diese wurden wieder mit Treibstoff und Silberjodid betankt, die Einsatzberichte und Bordbücher geschrieben. Um 21:17 landete auch der letzte Flieger, der sich dazu entschlossen hatte, den Durchgang der Front in Stockerau abzuwarten. Unser Gastpilot Paul Musso fasste seinen ersten Hageleinsatz zusammen: „Ich seh schon, hier bei Euch musste ich die Gesellen- und die Meisterprüfung an einem Tag machen“.

RB


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